Was bringen Nikotinpflaster und Co beim Ausstieg aus der Nikotinsucht? Wir vergleichen Nutzen und Risiken von gängigen Produkten zur Nikotinersatztherapie.

Immer mehr Raucher möchten von Zigarette, Qualm und Nikotin loskommen. Dabei geht es ihnen nicht nur um gelbe Zähne, schlechten Atem oder die öffentliche Ausgrenzung, die ihnen als Raucher widerfährt. Fast jeder Raucher ist sich der gesundheitlichen Folgen bewusst, die der Dauerkonsum von Tabak und Nikotin hat. Oft stellen sie jedoch fest, dass der Absprung schwieriger ist, als anfangs gedacht.

Häufig greifen Raucher deshalb zu Hilfsmitteln, die ihnen den Ausstieg aus der Nikotinsucht erleichtern sollen. Meist übersehen sie dabei, dass sie nur eine Sucht gegen eine andere austauschen. Warum das so ist, und welche Produkte in den Apotheken um kaufwillige Nichtraucheranwärter werben, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Wir stellen Ihnen die Produkte zur Nikotinersatztherapie, die der Markt bietet vor und bewerten Nutzen und Risiko. Denn häufig schaden sie eher als sie nutzen

Lesen Sie auch den zweiten Teil dieser kleinen Reihe: Die neuen Raucher-Trends E-Zigarette, Verdampfer, der iQOS-Zigarette.

Nikotin-Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten, Spray

Der Klassiker unter den Hilfsmitteln bei der Raucherentwöhnung ist das Nikotinpflaster aus der Apotheke. Es ist bequem in der Anwendung und verspricht eine einfache Lösung für ein komplexes Problem. In die gleiche Kategorie gehören Nikotin-Kaugummis, Nikotin-Lutschtabletten und der Nikotin-Inhalator (Nikotin-Spray). Alle diese Produkte enthalten Nikotin, das Sie als Anwender entweder über die Haut (Pflaster) oder über die Mund- bzw. Nasenschleimhaut aufnehmen. Die Idee dahinter: Die zugeführte Nikotindosis wird über einen Zeitraum von 8 Wochen immer weiter reduziert. Am Ende dieser Zeit sollen Sie als Raucher vom Nikotin entwöhnt sein.

Das sagt die Wissenschaft zu Wirkung und Nutzen

Über den tatsächlichen Nutzen von Pflastern, Kaugummis, Tabletten und Spray gehen die Meinungen auseinander.

Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration, in der Studien mit insgesamt mehr als 40.000 Teilnehmern analysiert wurden, kam 2008 zu dem Schluss, dass die Nikotinersatztherapie durchaus sinnvoll sein kann. Wenngleich der festgestellte Nutzen als verhältnismäßig gering eingestuft wurde. Von den Rauchern, die ohne Ersatztherapie mit dem Rauchen aufhörten, waren nach 6 bis 12 Monaten noch 3 bis 5 Prozent rauchfrei. Bei der Gabe von Nikotin wuchs dieser Anteil um 50 bis 70 Prozent. D.h. Nikotin-Pflaster & Co halfen weiteren 2 bis 3 Prozent zu Nichtrauchern zu werden.

Eine neuere 2011 im Fachmagazin „Tobacco Control“ veröffentlichte Langzeitstudie kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass solche Produkte Ex-Rauchern überhaupt nicht helfen und keinen langfristigen Schutz vor Rückfällen bieten. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten wurde bei den Studienteilnehmen erfragt, ob sie weiter abstinent waren oder einen Rückfall hatten. Etwa jeder Fünfte benutzte für seine Raucherentwöhnung ein Nikotinersatzprodukt. Im Ergebnis war bei diesen die Rückfallquote doppelt so hoch, wie bei Rauchern die nicht zu Pflastern, Kaugummis oder Sprays griffen.

Nebenwirkungen von Nikotinersatzprodukten

Einig ist man sich jedoch bei den Nebenwirkungen. Denn die Nikotinersatztherapie ist nicht frei von Risiken.

1 bis 10 Prozent der Anwender klagen z.B. über Juckreiz und Hautreizungen an der Stelle an der das Pflaster aufgebracht wird, Reizungen von Hals und Rachen bei der Verwendung von Sprays, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrasen.

Erhebliche Gesundheitsrisiken bestehen z.B. bei unregelmäßigem Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, Hauterkrankungen, in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Bei ernsten Erkrankungen wie z.B. Herzmuskelschwäche, erhöhtem Herzinfarktrisiko, Nieren- und Leberstörungen, Angina Pectoris, Diabetis mellius sollte in jedem Fall ein Arzt hinzugezogen werden.

Unser Fazit

Letztlich bleibt es Ihnen überlassen die Entscheidung zu treffen, ob Sie Nikotin-Pflaster & Co für Ihren Rauchstopp einsetzen möchten oder nicht. Unserer Ansicht nach sollten Sie Nikotinersatzprodukte, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden. Wir empfehlen Ihnen in jedem Fall ein sorgfältiges Studium der Packungsbeilage.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es wirklich hilfreich ist den Nikotinentzug unnötig in die Länge zu ziehen. Die übliche Anwendungszeit von Nikotinersatzprodukten beträgt 8 Wochen. Ohne Ersatzprodukte halbiert sich der Nikotinpegel in Ihrem Körper bereits nach 12 Stunden. D.h. nach nur einmal Schlafen sind Sie schon halb über den Berg. Nach spätestens 2 Wochen sind auch die die letzten Spuren des Giftes verschwunden.

Nach unserer Erfahrung setzt allerdings die psychische Abhängigkeit dem Raucher häufig viel mehr zu, als die Nikotinabhängigkeit. Es sind erlernte Gewohnheiten, z.B. die Zigarette beim Kaffee, nach dem Essen, in der Pause, bei Stress, in der Pause, die Sie immer wieder zur Zigarette greifen lassen. Das geschieht völlig unbewusst und automatisch.

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie diese Rituale knacken und ganz ohne Nikotinersatzstoffe von Zigarette, Qualm und Nikotin loskommen, finden Sie hier Antworten: In 2 Stunden zum Nichtraucher


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